Berater stellt Teaser und Investment Memorandum für die vertrauliche Käuferansprache zusammen

NDA, Teaser, Investment Memorandum: Die Dokumentenkette der Käuferansprache

24. Juni 2026

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Ein Unternehmensverkauf ist auch ein Informationsprojekt. Der Verkäufer muss genug preisgeben, damit ein Käufer ein belastbares Angebot abgeben kann, und gleichzeitig verhindern, dass Wettbewerber, Kunden oder die eigene Belegschaft vorzeitig erfahren, was geplant ist. Gelöst wird dieser Zielkonflikt nicht durch Zurückhaltung, sondern durch eine gestufte Dokumentenkette, in der jede Stufe mehr Information gegen mehr Verbindlichkeit tauscht.

Stufe eins: der anonyme Teaser

Der Teaser ist ein ein- bis zweiseitiges Kurzprofil, das ohne Nennung des Unternehmensnamens auskommt. Er beschreibt Branche, Geschäftsmodell, Umsatzgrößenordnung, Ertragslage in Bandbreiten, Standortregion und den Grund für den Verkauf. Ziel ist, dass ein Interessent in zwei Minuten entscheiden kann, ob das Profil zu ihm passt.

Die Kunst liegt in der Anonymisierung. Ein Teaser, der Nischenprodukt, Mitarbeiterzahl und Region so präzise nennt, dass ein Brancheninsider das Unternehmen sofort identifiziert, verfehlt seinen Zweck. Umgekehrt erzeugt ein zu vager Teaser keine Rückläufe. In der Käuferansprache arbeiten wir deshalb häufig mit zwei Fassungen, einer engeren für strategische Adressaten und einer breiteren für Finanzinvestoren. Wie die passenden Adressaten überhaupt gefunden werden, beschreibt unser Beitrag zum Deal Sourcing.

Stufe zwei: das NDA

Meldet ein Interessent Interesse, folgt die Vertraulichkeitsvereinbarung. Das NDA ist kein Formalakt, sondern das wichtigste Schutzinstrument des Verkäufers im gesamten Prozess. Vier Punkte entscheiden über seine Wirksamkeit: eine weite Definition vertraulicher Informationen, die Erstreckung auf Berater und verbundene Unternehmen des Interessenten, ein ausdrückliches Abwerbeverbot für Mitarbeiter und eine Laufzeit von mindestens zwei, besser drei Jahren.

Bei Wettbewerbern als Interessenten kommt eine weitere Ebene hinzu. Hier empfiehlt sich ein gestufter Zugang, bei dem besonders sensible Daten wie Kundenlisten, Deckungsbeiträge pro Kunde oder Rezepturen erst in einer späteren Phase und teilweise nur an einen Clean Team genannten Kreis externer Berater freigegeben werden. Eine Vertragsstrafe erhöht die Abschreckungswirkung, auch wenn sie im Streitfall selten die tatsächlichen Schäden abdeckt.

Stufe drei: das Investment Memorandum

Nach Unterzeichnung des NDA erhält der Interessent das Investment Memorandum, oft auch Information Memorandum oder schlicht IM genannt. Auf dreißig bis siebzig Seiten stellt es das Unternehmen vollständig dar: Historie, Markt und Wettbewerb, Geschäftsmodell, Kundenstruktur, Organisation, Standorte, Finanzhistorie der letzten drei bis fünf Jahre und eine Planung über drei Jahre.

Das IM ist Verkaufsdokument und Grundlage der späteren Prüfung zugleich, und genau darin liegt seine Schwierigkeit. Es soll überzeugen, darf aber nichts enthalten, was in der Due Diligence zerfällt. Jede Zahl im IM wird später mit den Buchhaltungsdaten abgeglichen. Wer hier zu optimistisch plant oder Add-backs nicht sauber herleitet, liefert dem Käufer das Argument für eine Preisreduktion frei Haus. Unser Beitrag zu EBITDA-Anpassungen und Add-backs zeigt, worauf Käufer dabei achten.

Was danach kommt und warum die Reihenfolge zählt

Auf das IM folgen indikative Angebote, die Auswahl der Interessenten für die zweite Runde und erst dann die Öffnung des Datenraums. Diese Reihenfolge ist kein Ritual. Jede Stufe reduziert den Kreis derjenigen, die tiefere Einblicke erhalten, und erhöht gleichzeitig deren Verbindlichkeit. Wer den Datenraum zu früh öffnet, gibt sensible Informationen an Interessenten, die noch keinen Preis genannt haben.

Ebenso wichtig ist die Konsistenz der Dokumente. Teaser, IM, Datenraum und spätere Garantiekataloge müssen dieselbe Geschichte erzählen. Widersprüche zwischen den Unterlagen sind der häufigste Anlass für Misstrauen und Nachverhandlung. Eine gründliche Verkaufsvorbereitung erstellt die Dokumente deshalb in einem Zug und aus einer Datenbasis, nicht nacheinander und aus unterschiedlichen Quellen. Wie sich die Kette in den Gesamtablauf einfügt, zeigt der Beitrag zu den Phasen des M&A-Prozesses.

FAQ

Wie viele Interessenten sollten einen Teaser erhalten? Das hängt vom Prozessdesign ab. Bei einer fokussierten Ansprache sind zwanzig bis vierzig sorgfältig ausgewählte Adressaten üblich, bei einem breiten Verfahren auch deutlich mehr. Qualität der Auswahl schlägt Quantität.

Sollte man Wettbewerber überhaupt ansprechen? Oft ja, denn sie zahlen die höchsten Preise. Der Schutz erfolgt nicht durch Ausschluss, sondern durch gestuften Informationszugang und ein belastbares NDA mit Abwerbeverbot.

Wer erstellt das Investment Memorandum? In der Regel der M&A-Berater gemeinsam mit Geschäftsführung und Finanzabteilung. Reine Eigenerstellung führt häufig zu Dokumenten, die intern plausibel wirken, aber die Fragen eines externen Käufers nicht beantworten.

30-Tage-Umsetzungsplan

Woche 1: Datenbasis konsolidieren. Stellen Sie bereinigte Zahlen der letzten drei Jahre, eine belastbare Planung und die zentralen operativen Kennzahlen aus einer Quelle zusammen.

Woche 2: Teaser und NDA erstellen. Formulieren Sie das anonyme Kurzprofil und lassen Sie parallel ein NDA aufsetzen, das Abwerbeverbot, Beratererstreckung und ausreichende Laufzeit enthält.

Woche 3: Investment Memorandum schreiben. Bauen Sie das IM konsequent auf der konsolidierten Datenbasis auf und prüfen Sie jede Aussage darauf, ob sie einer Due Diligence standhält.

Woche 4: Adressatenliste finalisieren und Freigabestufen festlegen. Definieren Sie, welche Information in welcher Phase freigegeben wird, und dokumentieren Sie diese Stufen, bevor der erste Teaser hinausgeht.

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