Vertragsverhandlung über Garantien und W&I-Versicherung bei einem Unternehmenskauf

Reps & Warranties und W&I-Versicherung im Mittelstand

5. April 2026

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Garantien und Freistellungen als Herzstück des Kaufvertrags

Im Unternehmenskaufvertrag sichert der Käufer seine Erwartung an den Zustand des Zielunternehmens über Garantien und Freistellungen ab. Garantien (im englischen Recht Representations & Warranties) sind Zusicherungen des Verkäufers zu bestimmten Tatsachen: dass die Bilanzen korrekt sind, keine versteckten Verbindlichkeiten bestehen, alle wesentlichen Verträge gültig sind und keine Rechtsstreitigkeiten drohen. Stellt sich eine Garantie nachträglich als falsch heraus, kann der Käufer Schadensersatz verlangen.

Freistellungen gehen weiter: Sie verpflichten den Verkäufer, den Käufer von konkret bekannten oder vermuteten Risiken vollständig freizustellen, etwa von einem laufenden Steuerverfahren. Während Garantien das allgemeine Risiko abdecken, adressieren Freistellungen identifizierte Einzelrisiken. Beide zusammen bilden das Haftungsgerüst der Transaktion.

Die Verhandlung: Haftungsumfang, Caps und Schwellen

Kern jeder Garantieverhandlung ist die Begrenzung der Verkäuferhaftung. Üblich sind ein Haftungshöchstbetrag (Cap), oft zwischen zehn und dreißig Prozent des Kaufpreises für allgemeine Garantien, sowie Bagatellgrenzen (De-minimis) und ein Selbstbehalt (Basket), unterhalb dessen keine Ansprüche geltend gemacht werden können. Ebenso wichtig sind die Verjährungsfristen, die für allgemeine Garantien meist zwischen 18 und 24 Monaten, für Steuern und fundamentale Garantien deutlich länger liegen.

Verkäufer streben einen engen Garantiekatalog, niedrige Caps und kurze Fristen an, Käufer das Gegenteil. Die Qualität der vorausgegangenen Due Diligence beeinflusst diese Verhandlung erheblich: Was der Käufer geprüft hat und kannte, kann er später schwerer einklagen. Eine professionelle Due-Diligence-Begleitung schafft hier auf beiden Seiten Klarheit.

Escrow als klassisches Sicherungsinstrument

Damit Garantieansprüche im Schadensfall nicht ins Leere laufen, wird häufig ein Teil des Kaufpreises über ein Escrow-Konto bei einem Treuhänder oder einer Bank zurückbehalten. Typisch sind fünf bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises, hinterlegt für die Dauer der Garantiefristen. Tritt ein berechtigter Anspruch ein, wird er aus dem Escrow bedient; andernfalls fließt der Betrag nach Fristablauf an den Verkäufer.

Der Nachteil aus Verkäufersicht liegt auf der Hand: Ein erheblicher Teil des Erlöses bleibt über Jahre gebunden. Genau hier setzt die W&I-Versicherung als modernere Alternative an, die im Mittelstand zunehmend Standard wird.

Die W&I-Versicherung: Risikotransfer an einen Dritten

Die W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity) überträgt das Risiko aus Garantieverletzungen auf einen spezialisierten Versicherer. Bei der gängigen Buyer-Side-Police macht der Käufer Ansprüche gegen den Versicherer geltend statt gegen den Verkäufer. Das hat für beide Seiten Vorteile: Der Verkäufer erhält einen sauberen Exit ohne langfristige Nachhaftung und kann den Erlös sofort verteilen, der Käufer erhält einen solventen Schuldner und vermeidet Konflikte mit dem oft noch im Unternehmen tätigen Verkäufer.

Die Prämie liegt typischerweise bei rund einem bis eineinhalb Prozent der Versicherungssumme, hinzu kommt ein Selbstbehalt. Voraussetzung ist eine belastbare Due Diligence, denn der Versicherer prüft die Berichte genau und versichert nur, was sorgfältig untersucht wurde. Eine Vendor Due Diligence erleichtert den Versicherungsprozess erheblich und beschleunigt die Zeichnung.

Wann sich die W&I-Versicherung lohnt

Besonders sinnvoll ist die Police bei Verkäufern, die einen sauberen Schnitt wollen, etwa bei Nachfolgesituationen, Private-Equity-Exits oder mehreren verkaufenden Gesellschaftern. Auch bei strategisch wichtigen Transaktionen, in denen das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer nach dem Closing fortbesteht, vermeidet sie Spannungen. Bei kleineren Deals kann die Prämie im Verhältnis zu hoch sein; hier bleibt das klassische Escrow oft die wirtschaftlichere Lösung.

FAQ

Deckt die W&I-Versicherung alle Garantien ab? Nein. Bekannte Risiken, Themen ohne ausreichende Due Diligence und bestimmte Bereiche wie laufende Steuerverfahren sind regelmäßig ausgeschlossen. Diese werden weiterhin über Freistellungen oder Escrow geregelt.

Wer zahlt die Prämie? Das ist Verhandlungssache. Häufig trägt sie der Käufer, der Vorteil aus der sauberen Police zieht, oder die Kosten werden zwischen den Parteien geteilt.

Wie lange dauert der Abschluss einer W&I-Police? Bei guter Vorbereitung und belastbarer Due Diligence sind zwei bis drei Wochen realistisch. Eine vorliegende Vendor Due Diligence verkürzt den Prozess weiter.

30-Tage-Umsetzungsplan

Woche 1: Garantiekatalog und identifizierte Risiken sichten, Verhandlungsposition zu Caps, Baskets und Verjährungsfristen festlegen.

Woche 2: Due-Diligence-Berichte auf Versicherbarkeit prüfen, Lücken schließen und potenzielle Ausschlüsse einer W&I-Police identifizieren.

Woche 3: Angebote von W&I-Versicherern einholen, Prämien und Selbstbehalte mit der Escrow-Alternative wirtschaftlich vergleichen.

Woche 4: Sicherungsstruktur final festlegen, Police zeichnen oder Escrow-Konditionen verhandeln und die Garantieregelungen in den Kaufvertrag einarbeiten.

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