Gründerteam plant am Whiteboard die Überbrückungsfinanzierung zwischen zwei Finanzierungsrunden

Bridge-Finanzierung und Mezzanine: Kapital zwischen den Runden

30. Mai 2026

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Zwischen zwei großen Finanzierungsrunden klafft bei wachsenden Unternehmen häufig eine Lücke. Die nächste Runde ist noch nicht spruchreif, das vorhandene Kapital reicht aber nicht bis dahin, oder das Unternehmen will erst einen wichtigen Meilenstein erreichen, um die Bewertung zu heben. In dieser Phase greifen zwei Instrumente, die in der Wachstumsfinanzierung eine Schlüsselrolle spielen: die Bridge-Finanzierung und das Mezzanine-Kapital.

Die Lücke zwischen zwei Runden

Eine Eigenkapitalrunde ist teuer, langwierig und verwässernd. Wer zum falschen Zeitpunkt eine vollwertige Runde aufsetzt, etwa kurz vor einem entscheidenden Produktlaunch, verschenkt Bewertung. Sinnvoller ist es oft, eine Überbrückung zu schaffen, die das Unternehmen bis zum nächsten Wertsprung trägt. Die Bridge-Finanzierung tut genau das: Sie stellt kurzfristig Liquidität bereit, die in der nächsten regulären Runde, häufig der Series A, in Eigenkapital umgewandelt oder zurückgeführt wird.

Die Bridge ist damit kein Ersatz für die eigentliche Runde, sondern ein zeitlicher Puffer. Sie ist schneller verhandelt, weil die endgültige Bewertung aufgeschoben wird, und sie hält das Unternehmen handlungsfähig. Häufig wird sie als Wandeldarlehen oder über ein vereinfachtes Instrument strukturiert, das den Bewertungsstreit in die Zukunft verlagert.

Wandeldarlehen als typische Bridge-Struktur

Das gängigste Bridge-Instrument ist das Wandeldarlehen. Investoren geben ein Darlehen, das sich bei der nächsten Runde automatisch in Anteile wandelt, meist zu einem Abschlag auf den dann verhandelten Preis. Dieser Discount und eine eventuelle Bewertungsobergrenze, der Cap, sind die zentralen Verhandlungspunkte. Sie belohnen den frühen Einstieg, ohne dass heute schon eine Bewertung festgezurrt werden muss.

Der Charme liegt in der Geschwindigkeit. Ein Wandeldarlehen ist in Tagen bis wenigen Wochen aufgesetzt, während eine vollständige Runde Monate braucht. Der Preis dafür: Der Gründer schiebt die Verwässerung nur auf, er vermeidet sie nicht. Wer mehrere Bridges hintereinander stapelt, kann am Ende durch akkumulierte Discounts stärker verwässert sein als bei einer sauberen Runde. In unserer Startup-Finanzierung rechnen wir daher immer das Verwässerungsszenario über alle Bridge-Stufen hinweg durch, bevor wir ein Instrument empfehlen.

Mezzanine: Eigenkapitalnähe ohne volle Verwässerung

Während die Bridge meist eine Vorstufe zur Eigenkapitalrunde ist, ist das Mezzanine-Kapital eine eigenständige Finanzierungsschicht zwischen Fremd- und Eigenkapital. Es trägt Züge beider Welten: Es wird verzinst wie Fremdkapital, ist aber nachrangig und partizipiert teils am Unternehmenserfolg, etwa über einen Equity-Kicker oder eine Gewinnbeteiligung. Für Banken zählt es als wirtschaftliches Eigenkapital, was den Verschuldungsspielraum erweitert.

Mezzanine eignet sich besonders für Unternehmen, die bereits Cashflow erwirtschaften und nicht weiter verwässern wollen, aber dennoch Wachstumskapital brauchen. Es ist teurer als ein klassischer Bankkredit, dafür flexibler und ohne den vollen Kontrollverlust einer Eigenkapitalrunde. Für reifere Wachstumsunternehmen, wie wir sie im Kontext der Wachstumsfinanzierung betrachten, ist es oft das passendere Instrument als eine weitere Equity-Runde.

Welches Instrument wann passt

Die Wahl zwischen Bridge und Mezzanine hängt vom Reifegrad und vom Cashflow ab. Ein frühphasiges Startup ohne nennenswerte Erlöse, das auf eine Series A zusteuert, fährt mit einer Bridge in Form eines Wandeldarlehens meist besser, weil es keinen Cashflow für laufende Zinsen hat. Ein etabliertes Wachstumsunternehmen mit stabilem Cashflow kann dagegen Mezzanine bedienen und vermeidet so unnötige Verwässerung.

In der Praxis lassen sich beide auch kombinieren oder gegen eine direkte Eigenkapitalfinanzierung abwägen. Wer langfristig stabiles Kapital sucht und bereit ist, Anteile abzugeben, fährt mit einer sauberen Runde besser, die wir in der Eigenkapitalfinanzierung begleiten. Wer nur eine Brücke braucht oder Verwässerung scheut, greift zu Bridge oder Mezzanine. Die richtige Wahl ist immer eine Funktion aus Zeithorizont, Cashflow-Profil und Verwässerungsbereitschaft.

FAQ

Was unterscheidet eine Bridge von einer normalen Runde? Die Bridge schiebt die Bewertung auf und stellt nur kurzfristig Liquidität bereit, meist als Wandeldarlehen. Die reguläre Runde fixiert eine Bewertung und gibt dauerhaft Eigenkapital herein.

Ist Mezzanine Eigen- oder Fremdkapital? Wirtschaftlich liegt es dazwischen. Es wird verzinst wie Fremdkapital, ist aber nachrangig und partizipiert teils am Erfolg. Banken rechnen es häufig als wirtschaftliches Eigenkapital an.

Verwässert eine Bridge die Gründer? Ja, allerdings erst bei der Wandlung in der nächsten Runde. Discount und Cap bestimmen, wie stark. Mehrere gestapelte Bridges können in Summe stärker verwässern als eine einzige saubere Runde.

30-Tage-Umsetzungsplan

Woche 1: Kapitalbedarf und Zeithorizont bestimmen. Klären Sie, wie viel Geld bis zum nächsten Wertsprung fehlt und wann die nächste reguläre Runde realistisch ansteht.

Woche 2: Instrument auswählen. Prüfen Sie anhand von Cashflow und Verwässerungsbereitschaft, ob ein Wandeldarlehen als Bridge oder Mezzanine-Kapital das passende Instrument ist.

Woche 3: Konditionen modellieren. Rechnen Sie Discount, Cap, Zinsen und Equity-Kicker durch und simulieren Sie das Verwässerungsszenario bis nach der nächsten Runde.

Woche 4: Investoren ansprechen und Term Sheet verhandeln. Sprechen Sie bestehende und neue Investoren an, holen Sie Term Sheets ein und sichern Sie die Anschlussfähigkeit zur geplanten Series A.

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